subcomandante

✸ Stil Macht Mode

meint:

Cindy Gallop, oder die neue Prüderie auf der #rp12

Auf der grade stattfindenden re:publica 2012 warb Cindy Gallop für ihre Initiative “Make Love not Porn“. Den engagierten Vortrag kann man sich auf Spiegel Online ansehen. Trotz begeisterter Kommentare auf twitter bleibt allerdings ein sehr fader Beigeschmack. Denn im Kern sagt Gallop, dass die Porno-Flut im Netz eine verzerrte Selbst- und Fremdwahrnehmung junger Menschen in Bezug auf Sex fördert oder gar produziert.

Liebe Buben und Madels da draussen, lasst Euch gesagt sein: IN PORNOS WIRD NICHT DIE REALITÄT ABGEBILDET!11einelf (Quelle: makelovenotporn.com)

Auf der Seite werden Pornomythen aufgelistet und der “Real World” gegenüber gestellt. Dabei fällt vor allem auf, dass auf der Pornoseite eigentlich immer verallgemeinert und im realen Leben alles relativiert wird. Während in den Pornos Frauen generell keine Schamhaare haben gibt es draussen in der Welt Frauen, die sich nicht rasieren und es gäbe sogar Männer, die darauf stehen. What? Wait! Nicht wirklich! So geht es weiter mit allem, was der Mainstream-Porno grade so an stilistischen Blüten zu bieten hat: Anal, BJ, Cumshots etc.

Ihr Engagement begründet die Amerikanerin mit Kontakten in die Pornoindustrie zum Beispiel mit der Situation in Indien, wo Jungs problemlosen Zugang zu Pornos haben und Mädchen der Pornokonsum strikt verboten sei. Wenn es dann zu einer ersten Begegnung im Flitterbett käme, wäre der Clash der Kulturen vorprogrammiert.  Dabei dürfte Porno nun wirklich ganz weit hinten stehen in der Liste der Dinge, die in Bezug auf das Geschlechterverhältnis in Indien zu lösen sind. Ganz weit oben dürfte die freie Entscheidung beider Geschlechter stehen, sich den Partner jeweils selbst aussuchen zu können.

Gallop argumentiert hier leider nicht anders als jeder, der nach einem Amoklauf Killerspiele verbieten will.

(Ach, über ‘Killerspiele’ sagt makelovenotporn.com übrigens nichts. Dabei gibt es da draussen Menschen, die darauf stehen und welche, die das total upturnend finden.)


Categorised as: Gesellschaft, P0rn


2 Comments

  1. Cindy Gallop says:

    Please forgive me for the fact that I obviously don’t speak German and had to use GoogleTranslate on this which is a very imperfect tool :)

    I should explain, as I do in my talk, that I put http://makelovenotporn.com up on no money 3 years ago as a very basic, minimal website, and had no idea then of the amazing response it would get. If you check the emails on the ‘About’ page you will see why the issue it addresses has been so welcome to many people. As I also stressed in my talk, it was my own experience that led me to do this, and I only subsequently discovered how many people shared similar experiences.

    Re tackling bigger issues: MakeLoveNotPorn is my side venture. My primary startup is http://ifwerantheworld.com, and I would love you to check that out and use it to address all the ‘bigger issues’ you and I would both like to see corrected.

    At the same time, I would emphasize that based on the thousands of emails I receive and the thousands of people who talk to me about MakeLoveNotPorn, happier sex lives should not be dismissed as a ‘small issue’, and happier sex lives can have a very profound and beneficial impact on many bigger issues in this world too.

    Many thanks for covering my talk and site.

    Best wishes,
    Cindy Gallop

  2. Fgbxl says:

    “Gallop argumentiert hier leider nicht anders als jeder, der nach einem Amoklauf Killerspiele verbieten will.”

    Nein, das tut sie nicht.

    Bei Computerspielen wird behauptet, dass man sich das Töten als Verhalten quasi antrainiert. Gallop sagt nur, dass falsche Vorstellungen entstehen – wenn die korrigiert werden würde auch das Verhalten automatisch korrigiert.

    Daher will sie auch Pornos nicht verbieten (oder?). Sie möchte nur darauf aufmerksam machen, dass es einen Unterschied zwischen Pornos und “echtem” Sex gibt.

    Ich finde den Unterschied zwischen “sei dir klar, dass das nicht die Realität ist” und “DAS IST GANZ SCHLIMM UND GEHÖRT VERBOTEN!” doch irgendwie wichtig…

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